Wildlebende Honigbienen: Warum alte Bäume wichtig sind

Laubwald mit Baumstämmen und herbstlich gefärbtem Unterholz

Wildlebende Honigbienen brauchen geeignete Nistplätze und eine Umgebung, die sie ernährt. Alte Bäume mit Höhlen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Eine im Juli 2026 veröffentlichte Studie lenkt den Blick auf diese oft übersehenen Bienenvölker. Für uns im Odenwald ist das ein guter Anlass, beim Waldspaziergang genauer hinzusehen und den Wert alter Bäume neu zu entdecken.

Laubwald mit Baumstämmen und herbstlich gefärbtem Unterholz
Wälder sind mehr als eine Ansammlung von Bäumen: Auch ihre kleinen Lebensräume zählen. Symbolfoto, keine Aufnahme eines bekannten Bienenstandorts im Odenwald. Foto: Anastasia Clark / Unsplash.

Wildlebende Honigbienen und Wildbienen: Was ist der Unterschied?

Eine Honigbiene bleibt eine Honigbiene, auch wenn ihr Volk ohne imkerliche Betreuung lebt. Die Westliche Honigbiene, Apis mellifera, gehört zur heimischen Tierwelt Mitteleuropas. Ihr mehrjähriges Volk kann in einer Baumhöhle ebenso wie in einer Bienenbeute wohnen.

Mit „Wildbienen“ sind im üblichen Sprachgebrauch dagegen die anderen Bienenarten gemeint, etwa Mauerbienen, Sandbienen und Hummeln. Viele dieser Arten leben einzeln. Eine einzelne Biene an einer Blüte verrät deshalb weder, ob sie zu einem betreuten Honigbienenvolk gehört, noch wo ihr Nest liegt. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) erläutert diese Vielfalt in ihrem Beitrag zum Weltbienentag 2026.

Was die neue Studie von 2026 tatsächlich zeigt

Patrick L. Kohl und Benjamin Rutschmann werteten Überlebensdaten freilebender Honigbienenvölker aus sieben europäischen Ländern aus. Ihre Studie in Conservation Science and Practice erschien am 14. Juli 2026.

Die Forschenden berechneten, wie sich die Bestände über zehn Jahre entwickeln könnten, wenn keine Schwärme aus Imkereien hinzukämen. Dafür nahmen sie unter anderem durchschnittlich zwei Schwärme pro Volk und Jahr an. Das Modell ergab einen medianen Rückgang von 56 Prozent pro Jahrzehnt.

Diese Zahl beschreibt eine modellierte Entwicklung unter bestimmten Annahmen. Sie ist keine Zählung aller europäischen Bienenvölker und keine Vorhersage für den Odenwald. Die untersuchten Regionen unterscheiden sich deutlich. Auch ein in mehreren Sommern besetzter Nistplatz beweist noch nicht, dass dort durchgehend dasselbe Volk überlebt hat: Ein neuer Schwarm kann eine frei gewordene Höhle wieder besiedeln.

Für die Praxis folgt daraus: Beobachtete Bienen im Baum sind ein spannender Fund. Um den Zustand einer Population zu beurteilen, braucht es wiederholte Untersuchungen über längere Zeit.

Warum alte Bäume für Honigbienen wichtig sind

Ein Honigbienenvolk benötigt Platz für Waben, Brut und Nahrungsvorräte. Ein kleiner Spalt allein genügt dafür nicht. Besonders interessant sind größere Baumhöhlen, wie sie etwa Schwarzspechte schaffen können.

Bereits eine Untersuchung der Universität Würzburg aus dem Jahr 2018 dokumentierte Honigbienenvölker in Buchenwäldern im Hainich und auf der Schwäbischen Alb. Verlassene Schwarzspechthöhlen erwiesen sich dort als mögliche Nistplätze. Diese ältere Arbeit liefert Grundlagen zum Lebensraum; sie ist kein aktueller Bestandsnachweis für den Odenwald.

Alter Baum mit einer sichtbaren Höhlenöffnung im Stamm vor einer Mauer
Eine Öffnung im Stamm macht neugierig. Ob dahinter eine geeignete oder bewohnte Höhle liegt, lässt sich aus einem Foto nicht erkennen. Foto: Amadeus Moga / Unsplash.

Auch unabhängig von Honigbienen sind Höhlenbäume wertvoll. HessenForst beschreibt seinen Umgang mit Habitatbäumen: Bäume mit Höhlen oder großen Vogelhorsten werden bewusst erhalten und im Bestand mit einem „H“ gekennzeichnet. Sie bieten unter anderem Vögeln und Fledermäusen Lebensraum.

Ein solches Zeichen steht also für einen Habitatbaum, nicht automatisch für einen Bienenbaum. Für den hessischen Teil unserer Region ist das ein anschaulicher Bezug zur Waldpflege. Auch ein Baum ohne sichtbare Markierung kann ökologisch wertvoll sein.

Eine Baumhöhle allein reicht nicht

Die Universität Hohenheim betont in ihrer Mitteilung vom 17. Juli 2026 das Zusammenspiel mehrerer Faktoren: geeignete Höhlen, vielfältige Nahrung und naturnahe Strukturen. Der Verlust solcher Lebensräume belastet wildlebende Völker. Hinzu kommen Krankheitserreger und Parasiten wie die Varroamilbe.

Deshalb wäre es zu kurz gegriffen, lediglich zusätzliche Hohlräume anzubieten und damit das Problem für gelöst zu halten. Der Blick muss auch auf die Umgebung fallen: Welche Pflanzen blühen dort, und wie verteilt sich das Angebot über die Saison?

Was du im Odenwald konkret tun kannst

  • Höhlenbäume respektieren: Beobachte vom Weg aus. Öffne keine Höhle, verschließe kein Einflugloch und versuche nicht, an ein Nest im Stamm zu gelangen.
  • Beobachtungen festhalten: Notiere Datum und Standort. Ein Foto mit Abstand kann bei der Einordnung helfen. Bei geplanten Arbeiten an einem möglicherweise bewohnten Baum sind Eigentümer und zuständige Forst- oder Baumpflegefachleute die passenden Ansprechpartner.
  • Einen Schwarm einordnen lassen: Eine frei hängende Bienentraube an einem Ast ist zunächst ein Schwarm auf Wohnungssuche. Die LWG empfiehlt, den örtlichen Imkerverein zu informieren. Ein bereits bewohntes Baumhöhlennest ist eine andere Situation und sollte zunächst fachlich beurteilt werden.
  • Blüten über die Saison verteilen: Plane Garten oder Balkon so, dass auf die Frühjahrsblüte weitere Nahrungsangebote folgen. Die LWG-Informationen zur Bienenweide helfen bei der Auswahl. Anregungen für die späte Saison findest du in unserem Beitrag zum bienenfreundlichen Herbstgarten.
Ein Wabenrahmen mit Honigbienen wird im Sonnenlicht gehalten
Wabenrahmen bei einer imkerlichen Durchsicht: Das Foto zeigt ein betreutes Volk. Foto: Odenwaldbiene.

Was bedeutet das für die Imkerei?

Für unsere praktische Arbeit lässt sich daraus keine Empfehlung ableiten, betreute Völker einfach sich selbst zu überlassen. Lebensräume zu erhalten und Bienenvölker fachgerecht zu versorgen sind Aufgaben, die sich ergänzen. Wer eigene Bienen hält, findet im Beitrag Varroa im Herbst: Milbenbelastung im Blick behalten weitere Hinweise zur Kontrolle.

Beim nächsten Spaziergang lohnt sich ein zweiter Blick auf alte Bäume. Nicht jede Höhle beherbergt Honigbienen. Doch solche Strukturen machen einen Wald als Lebensraum vielfältiger – und ihre Bedeutung reicht weit über eine einzelne Tierart hinaus.

Quellenstand: 27. September 2026. Grundlage der aktuellen Einordnung ist die oben verlinkte Studie von Kohl und Rutschmann (2026). Die Untersuchung von 2018 dient ausdrücklich als älterer Beleg zur Nutzung von Baumhöhlen. Ergänzend wurden Fachinformationen von LWG, HessenForst und Universität Hohenheim verwendet.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …