Varroa im Herbst: So behalten Imker die Milbenbelastung im Blick

Honigbienen auf einer hellen Wabe, die bei einer Durchsicht gehalten wird

Varroa im Herbst zu kontrollieren gehört zu den wichtigsten Aufgaben vor dem Winter. Auch ein Bienenvolk, das noch fleißig fliegt, kann bereits stark belastet sein. Entscheidend sind deshalb nachvollziehbare Messwerte und eine Kontrolle nach der Behandlung. Neue Ergebnisse des Deutschen Bienenmonitorings zeigen, wie eng hoher Milbenbefall und Winterverluste zusammenhängen.

Hier erfährst du, was die Zahlen bedeuten, wie du deine Kontrollen dokumentierst und warum der Blick auf den Kalender allein nicht genügt.

Honigbienen auf einer hellen Wabe, die bei einer Durchsicht gehalten wird
Eine Wabenkontrolle ergänzt die Befallsdiagnose. Vom äußeren Eindruck allein lässt sich die Milbenbelastung nicht zuverlässig ablesen. Foto: Odenwaldbiene.

Was die neuen Daten über Winterverluste zeigen

Für den Winter 2024/2025 meldet das Deutsche Bienenmonitoring (DeBiMo) einen Verlust von 18,0 Prozent der Monitoringvölker: Von 1.114 eingewinterten Völkern waren im Frühjahr noch 913 vorhanden.

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich der Herbstproben aus dem Jahr 2024:

  • Überlebende Völker hatten durchschnittlich 3,4 Milben je 100 Bienen.
  • Später gestorbene Völker hatten durchschnittlich 11,0 Milben je 100 Bienen.

Der Unterschied war statistisch signifikant. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Herbstbefall und Überwinterung. Sie sind jedoch weder eine Vorhersage für deinen eigenen Stand noch eine Verlustzählung sämtlicher Bienenvölker in Deutschland.

Wichtig: Diese Werte stammen aus Auswaschproben. Sie sind keine Behandlungsschwellen und dürfen nicht mit „Milben pro Tag“ auf dem Bodenschieber gleichgesetzt werden. Quelle: DeBiMo, Ergebnisse 2024/2025.

Warum gesunde Winterbienen so wichtig sind

Varroamilben schädigen Bienen und ihre Brut und können Viren übertragen. Befallene Bienen können eine kürzere Lebensdauer haben; Schäden während der Entwicklung belasten das spätere Volk zusätzlich. Gerade für die Überwinterung werden aber langlebige, leistungsfähige Bienen gebraucht.

Sichtbare Auffälligkeiten wie verkrüppelte Flügel oder ein lückiges Brutbild können Warnzeichen sein. Warte mit einer Befallsdiagnose nicht darauf: Ein Volk kann auf den ersten Blick kräftig wirken und trotzdem erheblich belastet sein. Hintergrund: Bundeszentrum für Landwirtschaft zur Varroamilbe.

Varroa im Herbst kontrollieren: Messen statt schätzen

Für die Befallsdiagnose stehen unter anderem Bodenschieber, Puderzuckermethode und das Auswaschen einer Bienenprobe zur Verfügung. Die Verfahren unterscheiden sich in Durchführung und Aussage. Halte dich an eine vollständige Institutsanleitung und vergleiche möglichst Ergebnisse derselben Methode. Das Bieneninstitut Kirchhain erläutert die Diagnoseverfahren und ihre Bedeutung.

Den natürlichen Milbenfall mit dem Bodenschieber erfassen

Die Gemülldiagnose lässt sich ohne Entnahme einer Bienenprobe durchführen. Der aktuell von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) verlinkte Leitfaden zu schadschwellenorientierten Maßnahmen beschreibt folgenden Ablauf:

  1. Eine geeignete Bodeneinlage einsetzen und vor Ameisenbelauf schützen.
  2. Über sieben Tage zählen; nach drei bis vier Tagen eine Zwischenzählung vornehmen.
  3. Alle im Beobachtungszeitraum gezählten Milben addieren.
  4. Die Summe durch die Zahl der Beobachtungstage teilen.

Rechenbeispiel: 14 gezählte Milben in sieben Tagen ergeben zwei Milben pro Tag. Das ist zunächst ein Messwert, noch keine pauschale Entwarnung oder Behandlungsempfehlung.

Die Einordnung muss zur Jahreszeit und zur Methode passen. Nutze dafür das Ampelschema der LWG im vollständigen Merkblatt und berücksichtige den Zustand deines Volkes.

Typische Fehler bei der Zählung vermeiden

Ameisen können abgefallene Milben wegtragen. Wind und viel Gemüll können das Ergebnis ebenfalls verfälschen oder das Auszählen erschweren. Eine einzelne unvollständige Zählung ist deshalb keine verlässliche Grundlage für weitreichende Entscheidungen. Die LWG-Anleitung zur Gemülldiagnose zeigt typische Fehlerquellen und die Unterscheidung von Milben und anderem Gemüll.

Honigbienen auf einer Wabe im Holzrähmchen
Honigbienen auf der Wabe. Ein Foto ersetzt keine Befallsdiagnose. Foto: Odenwaldbiene.

Warum eine Behandlung noch keinen Behandlungserfolg beweist

Viele während einer Behandlung gefallene Milben zeigen zunächst, dass Milben abgetötet wurden. Sie sagen nicht sicher, wie viele noch im Volk verbleiben. Deshalb gehört eine Nachkontrolle zum Behandlungskonzept.

Beachte dabei die Nachwirkzeit des verwendeten Mittels. Direkt nach der Anwendung kann der Milbenfall noch behandlungsbedingt erhöht sein. Erst nach dem passenden Abstand lässt sich wieder der natürliche Milbenfall beurteilen. Die LWG erklärt diesen Unterschied bei der Kontrolle der Winterbehandlung.

Auch später sind weitere Kontrollen nötig, solange Bienenflug stattfindet: Durch Milbeneintrag von außen, die sogenannte Reinvasion, kann ein zuvor erfolgreich behandeltes Volk erneut belastet werden. Die LWG empfiehlt deshalb Kontrollen bis in den Herbst.

Was tun bei auffälligem oder steigendem Befall?

Warte bei kritischen Werten nicht einfach auf den üblichen Wintertermin. Prüfe die Befallswerte zusammen mit Brutstatus, Volksstärke, bisheriger Behandlung und Wetter. Lass dir bei unklarer Lage zeitnah von der Imkerberatung oder einer bienenkundigen Tierarztpraxis bei der Einordnung helfen.

Welche Maßnahme passt, hängt vom konkreten Volk und vom zugelassenen Präparat ab. Anwendung, Temperaturbereich, Dosierung und Schutzmaßnahmen richten sich nach der jeweiligen Gebrauchsinformation. Die LWG bündelt Behandlungskonzepte und das Varroawetter; für Hessen ist das Bieneninstitut Kirchhain eine wichtige fachliche Anlaufstelle.

Honigbiene sammelt an einer violetten Phacelia-Blüte
Solange die Bienen fliegen, bleibt auch ein erneuter Milbeneintrag ein Thema. Symbolfoto einer sammelnden Honigbiene.

Checkliste für deine nächste Herbstkontrolle

  • Volk zuordnen: Beutennummer und Kontrolldatum notieren.
  • Messung festhalten: Methode, Zeitraum, Milbenzahl und Einheit eintragen.
  • Verlauf vergleichen: Frühere Werte und letzte Behandlung danebenlegen.
  • Volk beurteilen: Auffälligkeiten bei Brut und Bienen dokumentieren.
  • Nächsten Schritt bestimmen: Fachliche Einordnung, nötige Maßnahme und nächsten Kontrolltermin festlegen.
  • Versorgung mitprüfen: Auch die Futtervorräte gehören zur Wintervorbereitung. Dazu passt unser Beitrag Bienen füttern im Herbst.

Eine kurze, immer gleich aufgebaute Stockkarte hilft beim Vergleich: Volk – Datum – Methode – Messwert – letzte Maßnahme – Beobachtung – nächster Termin. Die Dokumentation von Arzneimittelanwendungen im Bestandsbuch kommt hinzu; darauf weist das Bieneninstitut Kirchhain ausdrücklich hin.

Häufige Fragen zur Varroakontrolle im Herbst

Kann ich vom Flugloch aus erkennen, ob ein Volk wenig Milben hat?

Nein. Flugaktivität ersetzt keine Befallsdiagnose. Sichtbare Krankheitszeichen können erst auftreten, wenn bereits erhebliche Schäden entstanden sind.

Ist ein frostiger Morgen ein sicheres Zeichen für Brutfreiheit?

Nein. Die LWG warnt davor, die Brutfreiheit allein aus Frost oder einer festen Wartezeit abzuleiten. Vor einer Behandlung, die Brutfreiheit voraussetzt, muss der Brutstatus des einzelnen Volkes überprüft werden.

Kann die Winterbehandlung eine versäumte Sommerpflege ausgleichen?

Sie kann bereits geschädigte Winterbienen nicht wieder gesund machen. Die Restentmilbung verbessert vor allem die Ausgangslage für die nächste Saison. Deshalb bleiben rechtzeitige Maßnahmen und die Herbstkontrolle wichtig.

Fachlich geprüft am 27. September 2026. Monitoringdaten: Winter 2024/2025, Herbstproben 2024. Die verlinkten Institutsanleitungen ergänzen diesen Überblick; konkrete Arzneimittelanwendungen richten sich nach der aktuellen Gebrauchsinformation.

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